Norbert „Futte“ Ivangean: „Ich dachte erst, da ist ein Spinner am Telefon, aber es war wirklich Bayern-Manager Robert Schwan!“

Vereine Jugend: Blau Weiss 90 (bis 73)

Vereine Männer  Bayern München (1.Bundesliga 73-74), Wacker 04, (2.Bundesliga 74-77), Blau Weiss 90, Traber FC, Tasmania 73, NSF (alle Oberliga, damals 3.Liga in Deutschland)

M.L.: Wann und wo fiel der Startschuss für Deine Karriere?

N.I.: Mit acht Jahren hab ich mit Fußballspielen bei Blau Weiss 90 an der Rathausstr. angefangen. Geblieben bin ich bis zur A-Jugend.

M.L.: Welche sportliche Höhepunkte hattest Du in der Jugend?

N.I.: Als Berliner Meister haben wir an den Spielen zur Deutschen Meisterschaft teilgenommen. Dieses wurde in der Saison 72/73 in Bonn erstmalig ausgetragen. In einer Viergruppe trafen wir u.a. auf den HSV, der  – mit 7 Jugendnationalspielern  – absoluter Favorit war. Wir verloren fast standesgemäß 5:1 oder 6:1, aber für mich war es eine Sternstunde. Als Rechtsaußen spielte ich gegen den Linksverteidiger des HSV, Peter Hidien (später erfolgreicher Profi beim HSV 72-82). Ich war in Topform und spielte ihn das eine oder andere mal schwindlig. Fortsetzung folgt………

Ein zweites Highlight ist mir leider knapp verwehrt worden. Mit 12 Jahren stand ich im 18er-Kader für das Jugendländerspiel England gegen Deutschland. Das Spiel fand im Wembleystadion statt. Doch leider wurde nur ein 16er-Kader mit auf die Insel genommen. Ich wurde leider gestrichen.

M.L.: Wie kam es zur Berufung in die U18-DFB-Jugendauuswahl?

N.I.: Bei dem erwähnten Spiel gegen den HSV sah mich DFB-Auswahltrainer Herbert Widmeyer und hat mich zu einem Lehrgang eingeladen. Dabei waren dann u.a. Spieler wie Uli Stielike, Karlheinz „ Charly“ Körbel, Rüdiger Abramczik und Benno Möhlmann.

M.L.: Wie hast Du diese Zeit erlebt?

N.I.: Insgesamt habe ich dann 13 Spiele für die U18-DFB-Jugendauswahl absolviert. Wobei nur zwei in Deutschland und elf im Ausland stattgefunden haben. Die beiden Spiele in Deutschland waren Qualifikationsspiele für die Jugend-EM gegen Polen und Holland. Das werde ich nie vergessen!

M.L.: Na nun raus mit der Sprache! Was war unvergesslich?

N.I.: Bei diesen Spielen waren natürlich immer Scouts von den Bundesligavereinen anwesend,  so auch einer vom FC Bayern München. Meine Leistung hat ihn wohl so beeindruckt, das wenige Tage später Bayern-Manager Robert Schwan bei uns zuhause anrief. Mein Vater rief mir zu:“ Komm mal an Telefon, Robert Schwan ist dran!“ Ich antworte: „ Leg auf, das muss ein Spinner sein!“ Aber er war es wirklich.

M.L.: Wie ging es weiter in Sachen FC Bayern?

N.L.: Ich sollte zur Vertragsunterzeichnung nach München fliegen. Da man damals aber erst mit 21 Jahren volljährig war, mussten mich meine Eltern begleiten und den Profi-Vertrag unterzeichnen. Somit war ich Spieler beim FC Bayern München!

M.L.: Wie war der Umgang mit Stars wie Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Gerd Müller & Co?

N.I.: Für die Medien haben sie Ihre Rolle gespielt, intern waren sie sehr locker. Sie behandelten mich wie einen von ihnen. Wobei man dazu sagen muss, da ich natürlich auch in keinerlei sportlichen Konkurrenz zu ihnen stand, war der Umgang daher sicher entspannter.

M.L.: Und wie bist du mit dem damaligen Welttrainer Udo Lattek zurechtgekommen?

N.I.: Wir hatten gar kein Verhältnis zueinander. Nur einmal hatten wir Kontakt, ansonsten war er mit den Stars beschäftigt. Der Umgang mit jungen Spielern waren nicht seine Sache.

M.L.: Nach einer Saison war Schluss beim großen FC Bayern? Woran lag es?

N.L.: Zum einen hatte ich wirklich Heimweh und zum anderen natürlich die fehlende sportliche Perspektive.

M.L.: Du bist danach zu Wacker 04 in die 2.Bundesliga gewechselt!

N.I.: Ja genau! Unter Trainer Georg Gawliczek  – 73-75 auch bei TeBe & 81-83 bei Hertha BSC tätig – hatte ich die beste und schönste Zeit. Insgesamt hab ich für Wacker 04 63 Spiele absolviert und dabei 4 Tore erzielt. Danach bekamen wir mit  Klaus Barsikow einen neuen Trainer.

M.L. Nach drei Jahren Wackerweg ging es nach Mariendorf zurück!

N.I.: Richtig, ich bin wieder zu Blau Weiss 90 gegangen. Dann folgten die Stationen Traber FC, Tasmania 73 und NSF, wo ich 1986/87 mit 32 Jahren meine Karriere im Männerbereich beendet habe.

M.L.: Seit Deinem Wechsel zurück zu Blau Weiss hast Du einen ständigen Begleiter auf dem Spielfeld und an deiner Seite, der Dir sehr wichtig war und immer noch ist!

N.L.: Ja das stimmt. Mit Kippi (Uwe Kippel) habe ich dann überall zusammengespielt. Ich habe sehr sehr viel von ihm profitiert. Wir waren ein Duo wie Günter Netzer und Hacki Wimmer bei Gladbach. Ohne seine Fleiß- und Vorarbeit hätte ich nie soviel Tore erzielt. Aber wie es oft so ist, die Schlagzeilen in der Presse gehören meist dem Torjäger, aber ohne solche Spieler wie Kippi einer war, hätte ich nicht so einen Erfolg gehabt.

M.L.: Wie ging es nach Deinem Karriereende weiter?

N.I.: Ich hab dann bei den NSF-Senioren gespielt. Über die Altliga ging es dann zur Ü50 und Ü60. Heute bin ich Capitano der Ü60 II.

M.L.: Es gab/gibt aber noch einen anderen Verein in Deinem Fussballerleben!

N.I.: Korrekt. Den Freizeitclub FC Horrido habe ich vor rund 42 Jahren mitbegründet. 6x hintereinander sind wir  – u.a. mit Spielern wie Olaf Balitzki, Uwe Kippel, Ronny Müller  – Pokalsieger geworden. Auch heute noch ist der FC Horrido  – trägt seine Heimspiele übrigens auf dem Kunstrasenplatz im Friedrich Ebert-Stadion aus – ein kleines Sammelbecken für NSF-Spieler, vor allem aus der Altliga. Es herrscht eine freundschaftliche Verbundenheit zwischen den beiden Vereinen.

M.L.: Wie kam es eigentlich zu Deinem Spitznamen „Futte“?

N.I.: Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht. Irgendwann –  ich muss so 12 Jahre jung gewesen sein – war der Name plötzlich da und blieb bis heute.

Vielen Dank Futte für ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Interview!